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Review: Die Zwerge

Als King Art Games ihr neues Game „Die Zwerge“ angekündigt hat, hätten die meisten Spieler wohl eher an ein Point-and-Click-Adventure gedacht als an das, was man dann letztendlich tatsächlich geliefert hat – ein Rollenspiel mit starken taktischen Elementen. Wir haben uns das Spiel umfassend angeschaut und erklären Euch, ob sich der Kauf lohnt oder ob Ihr Eure Penunzen doch lieber anderweitig anlegen solltet.

 

Es war einmal…

„Die Zwerge“ basiert auf der gleichnamigen Romanreihe von Markus Heitz. Dass es sich dabei um ein Liebhaberprojekt handelt, zeigt sich auch schon daran, dass der Titel via Kickstarter finanziert wurde. Dabei muss man nicht sklavisch darauf achten, dass man das umsetzt, was die Publisher gerne hätten. In Sachen Story orientiert man sich am ersten Band der Bücherreihe, als Protagonist dient Tungdil „Goldhand“ Bolofar – und der ist natürlich ein Zwerg.

Die Story des Ganzen ist wegen der Verbandelung mit dem ersten Buch der Reihe vergleichsweise komplex und ein integraler Bestandteil des Spiels. Ob so etwas jetzt dem persönlichen Geschmack entspricht, muss jeder für sich selbst entscheiden, uns hat es – inklusive der etwas unüblichen Erzähltweise – aber sehr gut gefallen.Insgesamt ist es fast überraschend viel Story für ein solches Spiel.

Auf, auf in den Kampf

Dass die Geschichte sozusagen der prominente Dreh- und Angelpunkt von „Die Zwerge“ ist, zeigt sich auch darin, dass das Gameplay selbst zwar durchaus solide, aber auch von eher simpler Natur ist. Ein wenig „Diablo“-artige Action mit einem Twist (Man kann die Zeit während der Schlachten anhalten, um das weitere Vorgehen zu planen), rudimentäre Rollenspiel-Elemente (10 Charakterlevel, minimales Skillsystem – also nichts, was man nicht schon gesehen hätte – auch besser.

Dies war übrigens bereits der Zeitpunkt, an dem wir unseren Test unterbrochen haben. Es ist keine Übertreibung, wenn wir sagen, dass „Die Zwerge“ vor dem offiziellen Launchtermin praktisch unspielbar war. Es gab tatsächlich Framerate-Einbrüche bis in den unteren einstelligen Bereich – und so möchte man nun wirklich gar kein Spiel zocken. Pünktlich zum Launch hat man einen Day-One-Patch veröffentlicht, der das Problem deutlich entschärft. „Perfekt“ würden wir die Framerate aktuell aber dennoch nicht nennen.

Immer mal wieder kommt es zu kleinen Mikro-Freezes, in denen das Spiel komplett stehen bleibt. Entlastend kann man da eigentlich nur zu Protokoll geben, dass „Die Zwerge“ kein umheimlich schweres Spiel ist. In den Momenten, in denen das Spiel einfriert, wird ziemlich sicher nichts passieren, was einem den Tag versauen könnte. Und wenn wir schon gerade beim Meckern sind: Die Kamerasteuerung ist ehrlich gesagt auch eher suboptimal ausgefallen. Entweder, man kommt nicht so weit, wie man es gerne hätte oder die Kamera „springt“ während der Bewegung. Ideal ist das jedenfalls nicht.

 

Zwergablo

Es wird bestimmt reichlich Zocker geben, die sich die Schwindsucht an den Hals ärgern, wenn wir jetzt schreiben, dass uns die Optik von „Die Zwerge“ an die von „Diablo“ und vergleichbaren Dungeon-Crawlern erinnert. Vielleicht ist die Darstellung ein wenig einfacher gehalten, etwas simpler – aber das spielt bei der Stärke der Handlung keine große Rolle. Insgesamt würden wir sogar sagen, dass „Die Zwerge“ optisch durchaus gefällig ist, wenn auch nicht mit topaktuellen Technik-Knallern vergleichbar. Da stören uns die Technikprobleme aber deutlich mehr als eventuelle Schwächen bei der Optik.

Wie es sich für ein Spiel, das auf einer Buchvorlage basiert, gehört, besteht ein relative großer Teil des Ganzen aus Erzählungen. Das mag für einen Gelegenheitsspieler, der von der Vorlage so rein gar nichts wusste, erst einmal befremdlich wirken. Wenn man sich aber darauf einlassen kann, ist das mal ein etwas anderes Spielerlebnis. Da die Vertonung ziemlich gut gelungen ist, wirkt „Die Zwerge“ in Teilen etwas wie ein Hörspiel mit integriertem Videospiel – ungewöhnlich, aber nicht wirklich schlecht.

Durchwachsen?

Die Mannen von King Art Games haben mit „Die Zwerge“ in beinahe jeder Hinsicht experimentiert und sind so einige Risiken eingegangen. Manche Dinge haben sich dabei ausgezahlt – etwa die Sache mit der Erzählweise oder die enge Verknüpfung mit der literarischen Vorlage. Andere hingegen sind nicht unbedingt leicht nachvollziehbar, was nicht zuletzt daran liegt, dass diese mit dem Gameplay zusammenhängen.

Und technisch muss noch immer Einiges nachgebessert werden. Es wäre vermessen zu behaupten, „Die Zwerge“ wäre nach dem Day-One-Patch unspielbar, denn das ist definitiv nicht der Fall. Wir sind aber auch meilenweit von einem flüssigen und ruckelfreien Erlebnis entfernt – wie man es für ein Spiel dieser Art und Aufmachung wohl erwarten dürfte. Nun gibt es bei uns in der Redaktion niemand, der die Vorlage gelesen hätte, insofern können wir uns kein Urteil darüber erlauben, wie gut sich das Ganze für Fans eignet. Man darf aber davon ausgehen, dass diese Zielgruppe etwas großzügiger über Mängel hinwegzusehen bereit ist.

Bewertungen

Grafik - 7.2
Sound - 8
Gameplay - 6.6
Umfang - 8

7.5

Gesamt

„Die Zwerge“ stecken voller gewagter Experimente, manche funktionieren, andere nicht. Vieles mag eine Geschmacksfrage sein, die schlechte technische Performance müsste, nein dürfte, in dieser Form aber nicht sein. Selbst nach dem Day-One-Patch gibt es noch immer jede Menge Framerate-Einbrüche. Für Spieler ohne Verbindung zur literarischen Vorlage mögen die Einschränkungen schwerer verdaulich sein als für „Die Zwerge“-Fans. So oder so hoffen wir aber, dass das Ganze technisch noch etwas auf Vordermann gebracht wird.

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