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Review: Agatha Christie: The ABC Murders

Lange Zeit sträflich vernachlässigt erlebt sich das Genre der Adventures mittlerweile eine Art Renaissance. Egal, ob wir jetzt interaktive Geschichten im Stil der Telltale-Games oder klassische Adventure-Kost wie „Baphomets Fluch“ vorgesetzt bekommen – da ist eigentlich für jeden etwas dabei. Mit „Agatha Christie: The ABC Murders“ erreicht uns jetzt die Umsetzung eines Romanklassikers – und wie gut diese gelungen ist, erfahrt Ihr in unserem Test.

Alphabet-Opfer

„Agatha Christie: The ABC Murders“ basiert auf dem gleichnamigen Roman der nahezu legendären Krimi-Autorin. Darin wird der belgische Detektiv Hercule Poirot aus seinem Ruhestand zurückbeordert, um Scotland Yard mit einem wirklich außergewöhnlichen Mörder zu helfen. Der sucht sich seine Opfer nämlich nach dem Alphabet aus: Zuerst ist jemand fällig, dessen Name mit A beginnt, als nächstes folgt B und dann – ihr habt es sicherlich schon erraten – natürlich C. Kann der Meisterdetektiv Hercule Poirot den Mörder stoppen, bevor er bei Z angekommen ist und möglicherweise wieder von vorne beginnt?

Um es kurz zu machen: Zu viel kriminalistischen Spürsinn nötigt uns „Agatha Christie: The ABC Murders“ nicht ab. Die Rätsel sind allesamt leicht zu lösen – obwohl man das strikt nach den Vorgaben der Entwickler tun muss. Die Story selbst orientiert sich beinahe sklavisch an der Literaturvorlage, so dass man als Kenner der Materie wohl kaum mit Überraschungen zu rechnen braucht. Die Umsetzung an und für sich ist aber durchaus als gelungen zu bezeichnen und sicherlich besser, als hätte man den Titel nur an den Roman angelehnt – damit hätte man wohl mehr Käufer verprellt.

Abenteuerlich

Das sorgt dann auch dafür, dass „Agatha Christie: The ABC Murders“ eine ganz angenehme Atmosphäre aufzubauen vermag. Viel Charme hat etwa die Ära, in der die Geschichte spielt – die 30er sind noch nicht so lange her, dass man sich wie in der Steinzeit fühlt, aber lange genug, um ein wenig Exotik zu versprühen. Darüber hinaus muss man sich aber der Tatsache bewusst sein, dass es sich hierbei nicht um einen Triple-A-Titel handelt, Da ist der Güte von Präsentation und Aufwand natürlich eine Art natürliche Grenze gesetzt.

Dass der Titel sich in erster Linie an die vielgescholtenen Casual-Gamer richtet, erkennt man auch daran, dass man seine Aufgabe in „Agatha Christie: The ABC Murders“ praktisch nicht versemmeln kann. Egal, ob es um die Rätsel oder um die Verhöre geht: Es ist schwerer, etwas falsch zu machen, als seine Aufgabe zu bestehen. Zu allem Überfluss gibt es noch die Möglichkeit, Hilfestellung in Anspruch zu nehmen. Das schmälert die kriminalistische Herausforderung natürlich deutlich.

Ein Einstieg?

Routinierte Freunde des Genres, die seinerzeit schon „Zork“ auf einem Mainframe gespielt haben und von Infocom über Sierra bis hin zu Lucasarts alle Hersteller mit Leidenschaft abgefrühstückt hat, werden sich bei „Agatha Christie: The ABC Murders“ wohl nicht unbedingt die grauen Zellen ruinieren. Die sind aber gar nicht die Zielgruppe des Spiels: Neben den eingangs bereits erwähnten Casual-Gamern dürften wohl auch Jugendliche ins Raster passen – und das sieht man auch ganz klar am Grafikstil von „Agatha Christie: The ABC Murders“.

Die Entwickler haben sich für eine Mischung aus Comic-Optik und Celshading entschieden, womit man sich vermutlich ganz bewusst vom Realismus entfernt hat. Das ist ein Stilmittel, das man von je her im Adventure-Genre gefunden hat – früher aus purer Notwendigkeit, heute wohl aus Traditionsbewusstsein. Für deutsche Spieler gibt es aber eine kleine Unpässlichkeit zu verdauen: Die Sprachausgabe liegt nur in englischer Sprache vor, für das hiesige Publikum sind leider nur deutsche Untertitel im Angebot. Wenn man des Englischen nicht mächtig ist, geht eben auch ein wenig Atmosphäre verloren – ganz davon abgesehen, dass man schwer mit Lesen beschäftigt ist.

Adventure light

Sicher, „Agatha Christie: The ABC Murders“ ist weder besonders anspruchsvoll noch etwas bisher Ungesehenes – dafür aber solide Abenteuer-Kost für Spieler, die entweder gänzlich neu im Adventure-Zirkus sind, oder einfach nur abschalten und Unterhaltung genießen wollen. Das Spiel ist nicht unbedingt abwechslungsreich, weiß aber dennoch über die Laufzeit hinweg zu unterhalten. Es reicht also nicht unbedingt zur Adventure-Krone, als Kleinigkeit für zwischendurch ist „Agatha Christie: The ABC Murders“ aber dennoch eine Empfehlung wert.

Bewertungen

Grafik - 7.3
Sound - 7.8
Gameplay - 6.8
Umfang - 7.7

7.4

Gesamt

Ein wenig zu sehr Schema F - das ist eine gute Umschreibung von "Agatha Christie: The ABC Murders". Ein einzigartiges Abenteuer ist der Titel nicht geworden, dafür aber immerhin solide Adventure-Kost mit einigen Schwächen, aber auch Stärken. Geeignet ist das Ganze für Anfänger und Casual-Zocker und macht durchaus Spaß - nur absolute Adventure-Cracks dürften sich wohl schwer unterfordert fühlen, denn wirklich anstrengende Rätsel gibt es hier nicht. Kurzum: Eine nette Sache für zwischendurch, aber keine absolute Offenbarung.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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