Mittwoch, 22. November 2017
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Review: Agents of Mayhem

Mit der „Saints Row“-Reihe hat sich Volition eine komfortable Nische geschaffen: Auch wenn man es qualitativ nicht ganz auf das Niveau von „Grand Theft Auto“ schafft, darf man das Genre dennoch auf die Schippe nehmen, oder? Im gleichen Universum spielt jetzt das Spinoff „Agents of Mayhem“ – und kopiert bei einem ganz anderen Genre. Welches das ist und ob das Ganze Spaß macht, erfahrt Ihr in unserem Test.

Agenten wie wir

„Agents of Mayhem“ erzählt uns eine Geschichte von Gut und Böse, wie sie einfacher nicht sein könnte: Die Organisation M.A.Y.H.E.M. bekämpft die Bösewichte von L.E.G.I.O.N., die alle Nationen der Erde auslöschen möchte. Nicht nur die Geschichte erinnert an die Zeichentrickserien vergangener Tage wie „G.I. Joe“ oder „He-Man“, die Entwickler spielen auch ganz gezielt bei der Darstellung der Cutscenes auf diese Inspirationsquelle an.

Nun ist das Ganze wenig mehr als ein Rahmen für das Open-World-Gameplay, das uns in eine futuristische Version von Seoul in Südkorea führt. Und jetzt verraten wir Euch auch, an welchem Franchise man sich ziemlich ungeniert bedient hat: An „Crackdown“. Tatsächlich erinnert das Ganze spielerisch doch sehr an den Microsoft-Klassiker. In Third-Person-Perspektive bewegen wir uns zu Fuß, springend oder im Auto durch das Neo-Seoul im „Saints Row“-Universum, ballern Gegner weg, sammeln Upgrades und erfreuen uns an zahllosen Aktivitäten. Ähnlich wie bei „Crackdown“ spielt sich auch hier ziemlich viel in der Vertikalität ab – nicht selten muss man genau planen, wie man an einen bestimmten Punkt in der Spielwelt kommt.

Teamplayer

Ein Besonderheit bietet „Agents of Mayhem“ jedoch: Man steuert nicht einfach nur einen einzigen Charakter, sondern gleich drei. Nun ja, man steuert natürlich nur einen, den kann man aber auf Knopfdruck in einen Kollegen verwandeln. Das ist ziemlich spannend, denn es warten insgesamt zwölf Agenten auf den Spieler, die allesamt unterschiedliche Stärken und Schwächen haben – und die könnten klischeehafter kaum sein. Ob Hooligan, Ninja oder Gangsterboss, witzig gestaltet sind die Kameraden auf jeden Fall. Drei davon darf man zu jeder Zeit in seinem Arsenal haben.

Während man sich durch Missionen und Aktivitäten kämpft, darf man die Agenten auch mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Das regt durchaus dazu an, am Ball zu bleiben, ist aber auch notwendig: Das Missiondesign ist leider relativ eintönig, so dass man nur durch die neuen Fähigkeiten der Agenten überhaupt eine Form von Abwechslung erhält. Das funktioniert aber hinreichend gut, so dass man auch über einen längeren Zeitraum unterhalten wird.

Auch beim Umfang arttypisch

Ein gutes Stichwort: Alleine für die Story-Missionen ist man zwischen 20 und 25 Stunden beschäftigt, der Natur solcher Open-World-Geschichten entsprechend muss man aber deutlich mehr Zeit investieren, wenn man wirklich jeden Krümel Gameplay in sich aufsaugen möchte. Dass das nicht ganz so abwechslungsreich ist wie etwa bei „GTA V“ dürfte sich dabei von selbst verstehen – und das zeigt sich schon alleine bei der Spielwelt. Die weiß zwar recht gut zu gefallen und bietet auch unzählige Ecken, die man erkunden kann, allerdings ist sie doch ziemlich menschenleer, wirkt dadurch steril und unbelebt.

Dafür steckt „Agents of Mayhem“ aber bis zum Rand voll mit dem gewohnten „Saints“-Humor – von den Zwischenszenen bis hin zu den Details, die immer wieder an bekannte Elemente aus Film, Fernsehen und natürlich auch Videospiel erinnern. Das ist wohl die wahre Stärke von „Agents of Mayhem“ – und besonders „Saints“-Fans wissen natürlich ganz genau, dass das ein Qualitätsprädikat ist.

Die Sache mit der Inszenierung

Etwas zwiespältig sind wir in Bezug auf die Präsentation von „Agents of Mayhem“: Gerade die Optik hat sehr gute Seiten (etwa das Effektfeuerwerk, das hinter jeder Schießerei lauert, auch die Zwischensequenzen in Zeichentrick-Optik sind grandios und lassen keinen Zweifel zu, welche Atmosphäre die Entwickler im Hinterkopf hatten). Dann kommen wieder die weniger schönen Seiten der Spielwelt zum Vorschein – etwa die sterilen und detailarmen. Dass die Cel-Shading-Optik nicht jedermanns Fall ist, dürfte sich dabei von selbst verstehen.

Was wir hingegen so wirklich, wirklich schade finden, ist, dass man nicht die Gelegenheit genutzt hat, um „Agents of Mayhem“ einen Lizenzsoundtrack zu verleihen. Was man hier auf die Ohren bekommt, ist zwar nicht grundlegend schlecht, kann aber nicht annähernd die gleiche Atmosphäre auf den Weg bringen, wie es bei bekannten Lizenzsongs der Fall wäre. Immerhin ist die Sprachausgabe qualitativ nicht zu bemängeln – wohl aber die Tatsache, dass sie nur in englischer Sprache vorliegt. Wer nur deutsch kann, muss sich auf die Untertitel verlassen.

Mein rechter, rechter Platz ist frei…

Zwar bietet „Agents of Mayhem“ eine sehr umfangreiche Kampagne, das ist aber auch besser so: Darüber hinaus warten keine Extras mehr auf den Spieler – auch keine Multiplayer-Komponente. Okay, es ist sicherlich ein zweischneidiges Schwert: Die tausendste Multiplayer-Veranstaltung mit den ewig gleichen Spielmodi braucht wirklich niemand, erst recht nicht, wenn davon auszugehen ist, dass die Server schon in wenigen Wochen gähnend leer sind und man keine Mitspieler mehr finden kann.

Auf der anderen Seite ist es natürlich schade, wenn ein Spiel wie „Agents of Mayhem“ die zweifellos einfallsreichen und dem Gameplay Tiefe verleihenden Skills der Agenten auf eine Singleplayer-Kampagne beschränkt. Ein paar spannende Maps und Spielmodi hätten sicherlich ein echter Mehrwert für „Agents of Mayhem“ sein können – da dürften die Meinungen aber auseinander gehen.

Und auch bei der Technik müssen wir meckern: So richtig stabil ist die Framerate leider nicht, es kommt immer mal wieder zu Rucklern und aufpoppenden Objekten. Das erreicht zwar nicht den Punkt,an dem es wirklich ernsthaft den Spielspaß ruiniert, dennoch sind die Mängel stark genug, um aufzufallen. Wir hoffen, dass die Entwickler hier noch mit einem Patch nachbessern können.

Nicht perfekt, aber umfangreich

„Agents of Mayhem“ ist kein Spiel, das allen Zockern in den Kram passen wird – dafür ist das reine Missionsdesign zu uniform. Was man dort versäumt hat, macht man allerdings mit Umfang wieder wett: Unzählige Stunden kann man damit verbringen, Bonus-Scherben einzusammeln, Charaktere und die Agency aufleveln, sogar Crafting steht auf dem Plan. Da die Agenten das wichtigste Element von „Agents of Mayhem“ sind, finden wir das auch ganz okay so.

Erwähnt werden muss auch noch einmal der Humor, der in gewohnter Manier daher kommt und wirklich zum Schießen ist. Dass „Agents of Mayhem“ das Genre nicht revolutioniert, ist klar – das galt ja seinerzeit schon für die „Saints Row“-Spiele, die eher persifliert haben, als das Rad neu zu erfinden. Man muss aber auch definitiv keine Angst haben, dass man sich nach dem Kauf veräppelt vorkommt: „Agents of Mayhem“ macht Spaß, und das auch ziemlich lang.

Bewertung

Präsentation - 73%
Gameplay - 80%
Umfang - 83%

79%

Gesamt

Kein Spiel für alle, aber dennoch mit Qualitäten - das trifft auf „Agents of Mayhem“ zu. Pro und Kontra halten sich die Waage: Die Agenten bieten ein klischeehaftes, aber tolles Design auf, ihre Fähigkeiten sind so abgefahren, wie man es von Volition erwarten würde. Das erkauft man sich aber mit uniformem Missionsdesign. Es gibt auch bei der Aufmachung schöne und weniger aufregende Seiten. Letztendlich darf man hier kein perfektes Spiel erwarten, was man aber geboten bekommt, macht Spaß - und darauf kommt es an.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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