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Review: Agony

Da glaubt man, man habe mittlerweile alles gesehen, was die Abgründe der menschlichen Seele so hergeben, da veröffentlicht Madmind Studio einfach mal so das neue „Agony“. Grenzerfahrungen sind im Gaming ja nach wie vor voll im Trend, insofern könnte der Horrortitel eine spannende Angelegenheit sein – wenn die Entwickler gute Arbeit abgeliefert haben. Ob das der Fall ist, erfahrt Ihr in unserem Test.

Der Teufel und die arme Seele

Wir beginnen „Agony“ als arme gequälte Seele, die sich in der Hölle wiederfindet. Man verrät uns nicht, was wir angestellt haben, um diese Behandlung zu verdienen, allerdings ist der Wunsch, irgendwie da raus zu kommen, ziemlich groß. Dabei soll uns die sogenannte rote Göttin behilflich sein. Doch wie setzt man sich gegen all das Grauen durch, das die Hölle bevölkert? Glücklicherweise besitzt unsere Seele eine sehr praktische Fähigkeit: Sie kann andere Körper besetzen und von deren Mächten Gebrauch machen.

Was sich hier anhört wie ein finsterer „Paradroid“-Klon ist effektiv eine recht klassische First-Person-Geschichte. Wir wandeln durch eine tatsächlich außerordentlich finstere Spielwelt, die aussieht, als würde man mitten im Gedärm eines Höllenmonsters umherwandeln – und das ist nun wirklich kein Veganer. Überall liegen, stehen und hängen irgendwelche in Blut eingetauchten Leichen in der Gegend herum, auch nackte Tatsachen werden nicht ausgespart.

Abgründe der menschlichen Seele?

Nun kommt man nicht umhin zu bewundern, wie viel Blut und Gedärme die Entwickler in ein Indie-Game packen konnten. Bei näherer Betrachtung fühlt sich das Ganze aber dennoch sehr klischeeüberladen an. Und das größte Problem dabei: Egal wie gut Euch das Ganze gefällt, schon nach relativ kurzer Zeit tritt ein Übersättigungseffekt ein, schlicht und ergreifend deshalb, weil die Abwechslung fehlt. Dass die Optik nicht ganz so gut ausgefallen ist, wie erstes Videomaterial versprochen hat – geschenkt.

Jetzt kommen wir aber zu den dicken Hämmern: Die von uns getestete Xbox-One-Version ist zum Launchtermin gelinde gesagt ein einziges Fiasko. Das fängt bei der Grafiktechnik an, hier gibt es teilweise extrem markante Drops bei der Framerate, längeres Spielen ohne körperliches und mentales Gestresstsein ist damit absolut nicht möglich. Schlimmer noch: Die Sound-Engine ist derartig kaputt, wie wir es in den letzten drei Konsolengenerationen noch nie erlebt haben.

Bug-Party

Da darf man sich noch freuen, wenn Dialoge einfach nur „abgeschnitten“ sind, es gibt auch völlig sinnfrei getriggerte Effekte. Zu allem Überfluss gibt es aber auch einen Bug, der wohl an verschiedenen Punkten ausgelöst werden kann. Dann wird die komplette Audio-Ausgabe durch nervtötendes, immer wieder kurz unterbrochenes Rauschen ersetzt. Ein wenig Recherche später finden wir heraus: Da sind wir nun wirklich nicht die einzigen Betroffenen. Das Ganze tritt offenbar nur auf der Xbox One auf, manche Nutzer hatten Erfolg damit, die Konsole neuzustarten, andere mit einem Factory Reset, andere überhaupt keinen.

So etwas darf absolut nicht sein – unter keinen Umständen. Da ist es völlig egal, ob es sich um ein kleines Indie-Studio oder um einen großen Player handelt: Bevor etwas veröffentlicht werden kann, muss es auf Funktionsfähigkeit überprüft werden. Und bei einem derartig häufig auftretenden Fehler gibt es eigentlich nur zwei Erklärungen. Entweder fand erst gar keine Qualitätssicherung statt oder man hatte keine Zeit, die Bugs vor Veröffentlichung zu verbessern und lieferte Bananen-Software, die beim Kunden reifen soll, aus.

So oder so: Entwickler und Publisher müssen lernen, dass sie mit so einem Verhalten nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Branche nachhaltig schaden. Mittlerweile sind wir schon so weit, dass selbst in der Konsolenwelt Überlegungen wie „Okay, das Spiel kaufe ich später zum günstigeren Kurs wenn schon zwei oder drei Patches erschienen sind“ völlig normal geworden sind. Spiele in einem unfertigen Zustand zu veröffentlichen, ist dabei ausdrücklich keine reine Indie-Spezialität, wie wir z.B. durch „Assassin‘s Creed: Unity“ erfahren mussten.

Abwarten und Tee trinken

Bestimmt gibt es Spieler, die mit „Agony“ trotz der schon konzeptionell enthaltenen Schwächen (Monotonie, kaum sinnvolle Erklärungen der Spielmechanik, flache Spannungskurve) ihren Spaß haben können/werden. Aber: Im jetzigen Zustand ist „Agony“ gerade auf der Xbox One schlichtweg nicht spielbar. Die Entwickler arbeiten zwar durchaus schon an entsprechenden Bugfixes, für uns bietet der Titel aber einfach nicht genügend unterhaltsame Substanz, dass sich das Warten lohnen würde.

Auf Playstation 4 und PC mag das zumindest technisch etwas anders aussehen, aber auch auf diesen Plattformen empfehlen wir, vor dem Kauf vorsichtshalber ein wenig zu recherchieren. „Agony“ wäre auch ohne fiese Bugs kein Titel, der Genres revolutioniert und Spieler nachhaltig beeindruckt, da ist der aktuelle Zustand vermutlich der Todesstoß. Bis der Titel absolut rund läuft, werden Wochen, wenn nicht gar Monate vergehen, und dann gibt es eben schon viele andere Spiele, die um die Gunst der Zocker buhlen werden.

Agony – Story Trailer

Bewertung

Präsentation - 72%
Gameplay - 48%
Umfang - 50%

57%

Gesamt

Ganz unabhängig davon, dass „Agony“ in Sachen Gamedesign nicht unbedingt die Krone der Schöpfung ist: Der Titel wurde in einem derart desolaten Zustand auf die Xbox One gebracht, dass selbst hartnäckige Naturen von einem Durchspielen aktuell Abstand nehmen werden. Da muss man weder Vor- noch Nachteile beim Gameplay und Gamedesign abwägen, in dieser Form handelt es sich aktuell eben nicht um ein funktionsfähiges Produkt, deshalb lautet unserer Devise: Abwarten statt gleich kaufen.

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