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Review: Battleborn

Shooter scheinen für viele Entwickler so eine Art sichere Bank zu sein. Wenn man dann noch ein paar aktuelle und populäre Elemente verbaut, sollte der Erfolg nahezu garantiert sein, oder? Mit „Battleborn“ versucht sich Gearbox Software jetzt an einer nicht ganz uninteressanten Mixtur. Keine Angst, es wird schon nicht ganz so schlimm wie „Aliens: Colonial Marines“ werden – oder etwa doch? Lest unseren Test und findet es heraus.

Retten wir doch einfach mal wieder… alles!

Hoffentlich erwartet Ihr keine Story, die sich für einen Literaturnobelpreis qualifizieren würde – denn so etwas gibt es bei „Battleborn“ nicht wirklich. Einmal mehr geht es um das Weiterbestehen der Galaxis, die Guten müssen die Bösen davon abhalten, ihren Job zu tun. Das Ganze kann man in einer Kampagne (entweder als Einzelkämpfer oder im Koop mit anderen Spielern) tun, oder eben längerfristig in Multiplayer-Gefechten.

Es dürfte nur die wenigsten Spieler überraschen, dass die Story-Kampagne eher als eine Art zu groß geratenes Tutorial fungiert. Hier werden wir nach und nach mit den verschiedenen Charakteren bekannt und vertraut gemacht, die Spielprinzipien werden erklärt. Die Tatsache, dass man das Ganze auch in Koop-Form spielen kann, verleiht der Angelegenheit aber dann doch den nötigen Tiefgang, dass man sie ein zweites Mal in Angriff nehmen kann. Zu erwähnen ist dabei lediglich, dass man kein sonderlich motivierendes Checkpoint-System verwendet.

Die reine Spielmechanik orientiert sich dabei auf ziemlich herkömmlichen Shooter-Konzepten, die seelische Verwandtschaft zu „Borderlands“ ist dabei nur schwer zu übersehen. Spannender wird das Ganze aber durch die zugrunde liegende „MOBA“-Komponente: Konkret bedeutet das, dass es eine große Zahl an verschiedenen Charakteren mit teils stark unterschiedlichen Fähigkeiten gibt. Und viel wichtiger noch: Jede Spielrunde beginnt man Level- und Skilltechnisch auf dem Nullpunkt, man muss sich alle Upgrades im Rahmen dieser Runde neu verdienen.

Hinein ins Vergnügen

Das hat natürlich einen signifikanten Vorteil: Alle beginnen stets mit den gleichen Voraussetzungen – man hat nicht einfach schlechtere Karten, nur weil man weniger Zeit zum Spielen hat als diejenigen, die den ganzen Tag nichts anderes tun als ihre Charaktere aufzuleveln. Außerdem kann man so viel direkter auf die Anforderungen der aktuellen Runde eingehen: Bleibt das gegnerische Team auf engem Raum zusammen, um die Feuerkräfte zu bündeln? Dann kann ein mächtiger Skill mit konzentriertem Angriff hier verheerend wirken. So erfindet sich das Spiel – zumindest prinzipiell – in jeder Runde neu.

Dadurch ist direkt klar: Den Löwenanteil der Spielzeit wird man in der Multiplayer-Komponente. Das würde aber deutlich besser funktionieren, wenn man hier den Umfang ein wenig großzügiger gestaltet hätte. Es gibt drei Spielmodi („Überfall“, „Verwüstung“ und „Schmelze“), und jede hat zum Launch lediglich zwei verschiedene Maps spendiert bekommen.

Dreifaltigkeit

In „Verwüstung“ kämpfen zwei Teams um die Vorherrschaft über drei Punkte – in dieser Form kennt man das Ganze ja aus unzähligen anderen Shootern. Damit haben wir aber die konservativste Komponente von „Battleborn“ bereits erschöpfend vorgestellt. Ungewöhnlicher ist da schon „Schmelze“, bei dem wir NPC-Minions in eine Stahlschmelze führen müssen. Gelingt dies, gibt es Punkte, werden sie aber auf dem Weg vom gegnerischen Team ausgeschaltet, geht man leer aus. Die Dynamik dieses Spielmodus ist also in der Überlegung, ob man lieber seine Minions beschützt oder die des Gegners ausschaltet, begründet.

Der zweifellos wichtigste Spielmodus ist allerdings „Überfall“, im Original „Incursion“. Hier kommen die MOBA-Elemente von „Battleborn“ am stärksten zum tragen. Ziel ist es, die zwei Wächterroboter des Gegnerteams zu zerstören – und das funktioniert nur durch konzertierte Zusammenarbeit. Gleichzeitig kann man Splitter verdienen, mit denen man etwa Automatikgeschütze an bestimmten Stellen erwerben kann. Außerdem gibt es auch hier die bereits erwähnten Minions, die dem Team zur Seite stehen können.

Wichtig ist in diesem Spielmodus, dass die Mannschaften taktisch vorgehen. Wenn sich alle fünf Spieler auf die Suche nach Splittern machen, ist die Runde schneller vorbei, als man es sich vorstellen kann – und ähnlich sieht es auch aus, wenn man zu sehr in die Offensive geht und dabei die Verteidigung sträflich vernachlässigt. Dass dies in zufällig zusammengewürfelten Teams in den meisten Fällen eher schlecht als recht funktioniert, kann man sich ja an den Fingern einer Hand abzählen.

Mehr, mehr, MEHR!

Dass sich bei „Battleborn“ in Sachen Maps (und hoffentlich auch bei den Spielmodi) noch einiges tun muss, liegt auf der Hand – und das eher jetzt als später. Ob zu recht oder unrecht sei jetzt einfach mal dahingestellt, trotzdem muss der Titel seit längerer Zeit mit Blizzards „Overwatch“ vergleichen lassen. Wenn man hier nicht rechtzeitig und ordentlich vorlegt, wird ein schlechtes Timing einem kommerziellen Erfolg entgegenstehen. Wie gut sich der Titel verkauft, muss den Spieler natürlich nicht interessieren, wenn wirtschaftliche Interessen dafür sorgen, dass es schnell eine Menge Nachschub gibt, dann ist das aber durchaus eine gute Sache.

Wie brüderlich!

Wir haben es eingangs ja bereits durchblicken lassen: Hinsichtlich der Shooter-Mechanik orientiert sich „Battleborn“ ziemlich stark an „Borderlands“ aus dem eigenen Hause. Und das ist noch nicht alles: Auch Grafikstil und diverse GUI-Elemente könnten direkt aus der wohl populärsten Reihe von Gearbox stammen. Schriftarten, Marker, Anzeigen und dergleichen mehr könnten Screenshots schon beinahe austauschbar machen – wenn man jetzt gehässig sein wollte. Natürlich ist das Ganze wertungsfrei zu sehen, denn schlecht ist die Optik von „Borderlands“ ja nun nicht.

Gelungene Melange?

An und für sich betrachtet funktionieren die Bestandteile von „Battleborn“ einigermaßen gut – vor allem, wenn man endlich das Matchmaking ordentlich hinbekommt und das Balancing in einzelnen Belangen weiter angepasst wird Doch die wahre Frage ist: Wie gut passen Shooter- und MOBA-Mechanismen hier zusammen? Zugegebenermaßen sind wir nicht die perfekten Ansprechpartner für eine solche Einschätzung, wir können nicht auf tausende Stunden „League of Legends“ zurückblicken. Aber: Wenn mal wirklich alles glatt läuft, macht „Battleborn“ besonders im „Überfall“-Modus eine Menge Spaß. Ob man jetzt allen Anforderungen von knallharten MOBA-Fanatikern gerecht wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Bewertungen

Grafik - 8.1
Sound - 7.8
Gameplay - 7.4
Umfang - 6.3
Multiplayer/Onlinemodus - 8.3

7.6

Gesamt

"Battleborne" hat ein ziemlich solides Fundament, es hakt dann aber doch an einigen Ecken und Enden. Dafür, dass der Titel eigentlich in erster Linie ein Multiplayer-Erlebnis darstellen soll, sind sechs Maps, die über drei Spielmodi verteilt sind, dann doch sehr mager. Dass es anfänglich zu Ungereimtheiten bei Servern und Balancing kommt, ist ja eigentlich bei allen derartigen Titeln abzusehen. Wenn man allerdings in ein gutes Team gerät, merkt man, dass die Mischung aus Shooter und MOBA durchaus funktionieren kann - eben, wenn jeder seine Aufgabe kennt. Davon sehen wir künftig hoffentlich etwas mehr.

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