Freitag, 24. November 2017
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Review: Halo Wars 2

Echtzeitstrategie und Konsolen – ein leidiges Thema. Nur selten versuchen es die Entwickler überhaupt noch, meistens gibt man sich der Steuerungsproblematik geschlagen. Dass es funktionieren kann, bewies „Halo Wars“ schon vor mittlerweile acht Jahren. Jetzt ist endlich der Nachfolger „Halo Wars 2“ da und muss sich so gar nicht gegen eine Konkurrenz durchsetzen. Ob der Titel qualitativ überzeugen kann, erfahrt Ihr in unserem Test.

Und schon wieder Krieg…

„Halo Wars 2“ führt uns in die Zeit kurz nach den Ereignissen von „Halo 5: Guardians“. Eigentlich herrscht mittlerweile ja Frieden, der Krieg mit den Covenant wurde beendet. Trotzdem gibt es keine Verschnaufpause: Die verschollene „Spirit of Fire“, deren Besatzung 28 Jahre im Kryoschlaf verbrachte, taucht wie aus dem Nichts in der Nähe der Arche auf. Die wiederum ist sozusagen die Fabrik für Halo-Ringe, und dort wüten Atriox und seine Abtrünnigen der Banished, ein Krieg gegen die Menschheit steht bevor. Eine KI ruft nun die Besatzung der „Spirit of Fire“ um Hilfe – jetzt geht es heiß her.

Die eigentliche Spielmechanik von „Halo Wars 2“ unterscheidet sich nicht signifikant von der des Vorgängers – oder jedem anderen RTS-Game. Ressourcen müssen besorgt, Einheiten gebaut und Gegner bezwungen werden. Wie schon in den frühen Tagen des Genres gibt es auch hier ein „Schere – Stein – Papier“-ähnliches System, bei dem Infanterie-Einheiten stark gegen Flugeinheiten sind, die wiederum todbringend auf Fahrzeuge und Panzer wirken, während genau die der wirksamste Feind für Infanteristen sind. Ihr kennt das Spielchen ja.

Filmreif

Natürlich bringt „Halo Wars 2“ eine Kampagne mit. Die ist zwar vergleichsweise kurz, nach nicht einmal zehn Stunden waren wir damit durch, dafür ist sie aber absolut erstklassig inszeniert. Tolle Zwischensequenzen führen die Story weiter, „unterbrochen“ von insgesamt zwölf Missionen. Das ist auf jeden Fall deutlich mehr als einfach nur ein Tutorial, das uns auf die verschiedenen Multiplayer-Modi vorbereiten soll – es hilft aber dennoch dabei.

Diesbezüglich haben wir fast nichts zu meckern. Ein paar zusätzliche Stunden Spielzeit wären nett gewesen, davon abgesehen bekommen wir aber eine spannende Kampagne ohne Längen und ernsthafte Makel. Nie werden wir vor Situationen gestellt, die kaum machbar sind, dennoch gibt es fordernde Momente. Darüber hinaus gibt es natürlich wenig Langzeitmotivation – wenn man die Missionen durchgeprügelt hat, ist es mit der Kampagne auch wieder gut. Eventuell lohnt noch ein Anlauf auf einem höheren Schwierigkeitsgrad. Der tolle Aspekt daran ist: Ganz egal, ob man Fan der „Halo“-Saga ist oder nicht – man braucht keine Vorkenntnisse über Handlung oder Einheiten um mit „Halo Wars 2“ klar zu kommen.

Die Qual der Wahl

Der Löwenanteil der Spielzeit werden die meisten Zocker aber mit den Multiplayer-Komponenten verbringen. Hier gibt es so viel zu tun, egal ob einfache VS-Gefechte gegen die KI oder solche gegen menschliche Gegenspieler – aber auch hier gibt es erst einmal nur wenige Überraschungen. Der wirkliche Höhepunkt wartet nämlich an einer ganz anderen Stelle – und das weiß jeder, der sich auch nur ein paar Minuten mit der letzten Beta von „Halo Wars 2“ beschäftigt hat.

Die Rede ist hier natürlich vom „Blitz“-Modus. Was sollen wir sagen: Das Ganze ist zumindest rein konzeptionell ein echter Hammer. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Sammelkartenspiel und der bekannten Echtzeitstrategie-Komponente. Wir bauen uns für unterschiedliche Situationen verschiedene Decks zusammen, die Karten kann man dann quasi je nach Ressourcenlage ausspielen und baut die darauf abgebildeten Einheiten in die Spielwelt. Dabei gibt es dann etwa Karten, die ganz konkret für einzelne Kommandanten gelten, doppelte Karten werden zu stärkeren Karten zusammengefasst, Karten mit speziellen Eigenschaften – überhaupt bietet das erfrischend viel Komplexität.

So sind die Einheiten nur dann in voller Stärke verfügbar, wenn man sie in einer Basis baut – geschieht das außerhalb, muss man mit halber Energie klarkommen. Diese wird zwar über einige Sekunden hinweg wieder aufgeladen, in schwierigen Situationen muss man aber abwägen, ob man jetzt eine „halbstarke“ Einheit zur Rettung schickt, oder ob man den längeren Weg aus der Basis in Kauf nimmt. Sich immer eine passende Strategie zurechtlegen zu können – das muss man auch erst einmal meistern.

Das Fußballbildchen-Prinzip

„Sammelkarten“ haben es so an sich, dass sie gesammelt werden sollen. Früher haben wir Fußballbildchen päckchenweise gekauft, heute sollen wir uns die Pakete entweder freispielen oder per Mikrotransaktion kaufen. Dass diese gar nicht so sehr „mikro“ sind, beweist ein Blick in den Xbox-Store: Knappe 100,- Euro kostet 135 Kartenpäckchen als dickstes Bundle.

Nun könnte man natürlich sagen, dass man nicht gezwungen ist, diese Pakete zu erwerben, und das stimmt natürlich auch. Das Problem daran ist aber ein anderes: Wenn dem Gegenspieler einer Online-Partie die Geldbörse locker sitzt und er Dutzende oder gar Hunderte Pakete gekauft hat, hat er mit den doppelten Karten selbst die einfachsten Einheiten zu brutalen Kriegsmaschinen aufgerüstet. So sehr es uns schmerzt, das zu sagen: Das ist schon per Definition „Pay to Win“, was man ja eigentlich immer vermeiden möchte.

Da stimmt doch etwas nicht

Wir wissen nicht woran es liegt, aber „Halo Wars 2“ ist leider alles andere als fehlerfrei. Es ist beinahe schon kurios, was man so zu sehen bekommt – da sind die Framerate-Drops, die gelegentlich für einige Sekunden auftauchen, wirklich noch das harmloseste. Das Netz ist bereits jetzt voll von Bug-Berichten – und im Prinzip waren es bis dato ja nur die Käufer der „Ultimate Edition“, die sich damit auseinandersetzen mussten. Wir schätzen, dass noch eine ganze Menge Arbeit auf die Entwickler zukommt und wir noch eine Reihe von Patches vor die Füße geknallt bekommen.

Das trübt die Spielfreude mitunter erheblich, auch wenn man weiß, dass die Probleme nicht ewig bestehen werden. Trotzdem hätte es bei einem heiß ersehnten Titel wie „Halo Wars 2“ erst gar nicht so weit kommen dürfen. Es handelt sich ausdrücklich nicht nur um Bugs, die nur dann auftauchen, wenn die Sprache auf Swahili gestellt wurde und Vollmond ist. Wenn die Spieler reihenweise keine Erfahrungspunkte für ihre absolvierten Runden erhalten, Einheiten festfrieren oder trotz Markierung nicht angesprochen fühlen, dann ist da mehr im Argen als nur ein paar Fehler, die durch die engen Maschen der Qualitätssicherung rutschen konnten. Dabei handelt es sich im Übrigen um Fehler, denen wir im Testprozess selbst begegnet sind.

Grün vor Ärger

Es ist einfach nur noch ärgerlich: Das Basiskonzept von „Halo Wars 2“ ist solide und gut gelungen, selbst das Problem mit der Controllersteuerung hat man sehr gut gemeistert. Wir haben keine Befürchtungen, dass das Team von Creative Assembly irgendwelche Lücken übrig lässt, aber es sind dann doch ein paar sehr viele Bugs, um darüber hinwegsehen zu können. Das ist auch der Grund, warum unsere Bewertung vergleichsweise schlecht ausgefallen ist.

Vielleicht haben andere Spieler Glück und werden nicht so sehr von Bugs heimgesucht, uns hat es aber ziemlich böse erwischt, wir sind auch leider nicht die einzigen. Sobald die störendsten Fehler in Ordnung gebracht wurden, lassen wir gerne noch einmal über die Wertung mit uns reden. Und es fällt uns nicht leicht: „Halo“ zählt zu den Marken, die wir lieben wie kaum eine andere.

Unser Rat: Schlagt noch nicht gleich zu, wartet, bis die schlimmsten Bugs behoben sind – das ist besser für den Blutdruck.

Bewertung

Präsentation - 85%
Gameplay - 71%
Umfang - 78%

78%

Gesamt

Gierig haben wir „Halo Wars 2“ in die Xbox One gestopft und installiert - und es fing so gut an: Übersichtlich, gelungene Steuerung, tolle Inszenierung und der wirklich hochspannende Blitz-Modus. Dann gab es Probleme mit nicht gewährten XP, was auch leider nur der Anfang war. Nur zu gerne hätten wir „Halo Wars 2“ eine locker-flockige 90er-Bewertung gegeben - und das hätte der Titel eigentlich auch verdient. Die Bugs, die uns immer wieder geplagt haben, machen das zum jetzigen Zeitpunkt aber leider unmöglich.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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