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Review: Hitman

Videospiele haben wie etwa auch das Medium Film eine unheimliche Macht, was das Erzählen von Geschichten angeht. Die klassische Konstellation „Gut und Böse“ wird da auch mal über den Haufen geworfen, ohne dass wir uns etwas dabei denken, sympathisieren wir mit Mördern, Mafiabossen und sonstigen Gangstern. Oder im Fall der „Hitman“-Reihe auch mit einem Auftragskiller. Hier gibt es endlich gleichnamigen Nachschub für die aktuelle Konsolengeneration – und unser Test verrät Euch, ob sich Kauf (und Wartezeit!) lohnt.

Häppchenweise

Die meisten Interessenten dürften es bereits mitbekommen haben: „Hitman“ erscheint nicht als ein komplettes Spiel, vielmehr hat man sich für eine Veröffentlichung in Episodenform entschieden. Für die Entwickler ist das angenehm, man kann im Bedarfsfall einigermaßen schnell auf das Feedback der Spieler eingehen, außerdem kommt schon Geld rein, bevor die ganze Arbeit geleistet ist. Wie das aber auf Seiten der Spieler aussieht – hierzu kennen wir keine wissenschaftlich belastbaren Forschungsergebnisse. Im Fall von „Hitman“ bedeutet dies schlicht und ergreifend, dass man sich wohl mindestens ein halbes Jahr mit dem Titel beschäftigen muss.

Den Anfang macht jetzt die erste Episode in Form des „Intro Pack“ zum Preis von 14,99 Euro. Das Gesamtpaket ist schon jetzt als „Das vollständige Erlebnis“ für knapp 60,- Euro erhältlich, eine Art Season Pass, obwohl sich die Entwickler gegen diese Bezeichnung wehren. Eine Retail-Fassung ist nach aktueller Planung für Anfang 2017 geplant.

Aller Anfang…

Bevor wir zu unserem ersten „richtigen“ Einsatz nach Paris aufbrechen, versetzt uns „Hitman“ zurück in die Vergangenheit – nach 1992, um genau zu sein. Dort macht Agent 47 die ersten Gehversuche als Auftragskiller, das Ganze dient uns natürlich als eine Art Tutorial, erfüllt aber gleichzeitig eine erzählerische Aufgabe. Und schon hier wird klar: Die Übersimplifizierung der letzten Ableger gehören der Vergangenheit an. Von der spielerischen Freiheit fühlt man sich sofort an die glorreichen Tage des vielleicht populärsten Ablegers der Reihe, „Hitman: Blood Money“ erinnert.

Die Aufgabe ist natürlich simpel: Ziele ausschalten. Und dabei lassen die Entwickler den Spielern so ziemlich jede erdenkliche Freiheit. Natürlich könnte man in den meisten Fällen Haudrauf-mässig loslegen und zum Frontalangriff blasen – das empfiehlt sich aber nicht, schließlich handelt es sich bei „Hitman“ um keinen herkömmlichen Shooter. Wer die Hitman-Klassiker mag, kann sich hier absolut in den verschiedenen Möglichkeiten verlieren. Überdies wird auch ein erneutes Durchspielen der Episoden/Aufträge nicht langweilig. Es gibt eigentlich immer etwas, das man besser oder zumindest anders lösen könnte.

Mon Chéri!

Die eigentliche Mission in der ersten Episode des neuen „Hitman“ führt uns nach Paris, wo unsere Aufgabe lautet, den Modezaren Viktor Novikov und seine Partnerin Dalia Margolis um die Ecke zu bringen. Ein interessantest Szenario abseits der ausgetretenen Pfade – und es wird auch noch in fantastischer Art und Weise inszeniert. Die Spielwelt ist unglaublich groß und dicht mit Leben und Details ausgefüllt. Als Mittelpunkt des Szenarios wartet eine komplette Modenschau auf den Spieler und die NPCs – das hat man auch noch nicht so oft in einem Videospiel gesehen.

Spielerisch ist das Ganze ein interessanter Mix aus Strategie und dem Finden des optimalen Zeitpunkts. Wie eingangs bereits erwähnt: Eine einzig gültige Lösung gibt es in „Hitman“ nicht. Verkleidungen spielen eine signifikante Rolle, damit sich unser Agent 47 ungesehen durch die Menschenmassen bewegen kann. Aber auch hier gilt zu beachten: Es gibt vereinzelte NPCs, die einen durchaus als „falschen Fuffziger“ erkennen können. Klar, ein Security-Mitarbeiter wird seine Kollegen kennen, da fällt ein fremdes Gesicht natürlich auf.

Der Technik-Check

„Hitman“ sieht toll aus: Die belebte und detailreiche Spielwelt macht es leicht, in das Szenario einzutauchen. Dabei gibt es technisch nicht allzu viel zu bemängeln – die Entwickler lassen uns sogar die Wahl zwischen einer „unbegrenzten“ Framerate (was zwar im Allgemeinen flüssiger läuft, letztendlich aber durch gelegentliche Einbrüche zu Rucklern führt) und einer auf 30FPS begrenzten (dafür aber deutlich stabileren). Solcher Dinge kennt man normalerweise ja nur vom PC, ähnliche Freiheiten sind auf den Konsolen noch ziemliches Neuland.

Meckern müssen wir aber über die Ladezeiten. Nahezu jede Interaktion außerhalb der üblichen Spiels führt zu teilweise elend langen Wartezeiten, die einen – so muss man es leider sagen – jäh aus dem Spielgeschehen reißen. Sicherlich, zum Spaß werden die Entwickler ihre Kunden nun nicht ärgern, Testberichten zur PC-Version kann man aber entnehmen, dass es dort kein derartiges großes Problem mit den Ladezeiten gibt.

Langzeitmotivation?

Mit knapp 15,- Euro Kaufpreis liegt man für das Starterpaket gar nicht so schlecht im Spielzeit-Vergleich – selbst, wenn man die Paris-Mission nur einmal spielen sollte. Natürlich, im Idealfall hat man die Muße, sich mehrfach mit der Episode zu befassen, dann wird man viele Stunden Spaß mit jeder Mission haben. Aber auch Spieler, die sich aus so einer „Fleißarbeit“ nichts machen, werden nicht über den Tisch gezogen. Verschiedene Extras – zumeist periodisch erscheinende Spezialaufgaben – lassen den Spieler auch außerhalb der Hauptmissionen noch einmal zur Tat schreiten.

Man kann sich natürlich vortrefflich darüber streiten, wie sinnvoll die Entscheidung war, „Hitman“ in einzelnen Episoden zu veröffentlichen. Wie gut man das findet, mag größtenteils eine Geschmacksfrage sein, gegenüber anderen Episoden-Games hat unser Auftragskiller aber einen gewaltigen Unterschied: Nach dem Abschluss der Episode hat man nicht den Eindruck, ein irgendwie abgeschlossenes Erlebnis hinter sich gebracht zu haben. Die Vorfreude, die nächste Episode endlich spielen zu dürfen, fußt ganz alleine darauf, dass man einfach mehr möchte.

Auftrag angenommen

Das Intro-Paket von „Hitman“ ist eine sehr solide Basis für die kommenden Abenteuer von Agent 47. Natürlich ist jetzt noch nicht so recht abzusehen, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Was aktuell gut läuft und Spaß macht, könnte zur vierten Episode langweilig und uninspiriert sein. Derzeit haben wir diese Befürchtungen aber nicht, vielmehr freuen wir uns darüber, dass unser liebster Auftragskiller wieder zur alten Stärke zurückgekehrt ist. Nicht, dass wir den Ansatz des Vorgängers „Hitman: Absolution“ verurteilen wollen, so dürfte der Titel doch einer Menge Spielern den Einstieg in das Franchise ermöglicht haben. Die spielerischen Freiheiten von „Hitman: Blood Money“ und eben jetzt auch des neuen „Hitman“ passen aber viel besser ins Konzept, insofern ist das alles sehr zu begrüßen. Wir sind jedenfalls guter Dinge, dass der Rest der Staffel ähnliche Qualitäten zeigt.

Bewertungen

Grafik - 8.7
Sound - 8.4
Gameplay - 8.1
Umfang - 7.4

8.2

Gesamt

Ein Großteil der Berichterstattung zum neuen "Hitman" drehte sich darum, was sich die Entwickler neues in Sachen Erscheinungsform ausgedacht haben. Dabei ging die Tatsache, dass man sich wieder an alten Freiheiten orientiert, nahezu völlig verloren. Insofern war die Überraschung groß, als sich Agent 47 als eine Art Auftragskiller-Sandbox zurückmeldete. Und auch gute zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung von "Hitman: Blood Money" funktioniert das noch besser als alles andere - rein konzeptionell gibt es da zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel zu meckern. Uns wäre ein Komplett-Release auf jeden Fall lieber gewesen, es bleibt abzuwarten, ob man sich wirklich über den Zeitraum von sechs Monaten (oder länger) mit der gleichen Begeisterung an das Spiel binden kann.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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