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Review: Mafia 3

Mit großer Freude haben wir „Mafia 3“ aus dem Briefkasten geangelt – kein Wunder, der Vorgänger war doch einer der Open-World-Titel der letzten zehn Jahre. Da erwartet doch wohl niemand Böses, nur weil die Entwickler die Presse-Exemplare errst zum Launchtag verschickt haben, oder? Ob wir mit dieser Einschätzung ein wenig naiv waren oder ob „Mafia 3“ seinem schweren Erbe gerecht wird, erfahrt Ihr in unserem Test.

Der Sommer der Liebe ist vorüber

„Mafia 3“ führt uns in das Jahr 1968 – und zwar nach New Bordeaux, einer fiktiven Variante von New Orleans im Herzen der Südstaaten. Nicht unbedingt der Ort, an dem Ihr italienische Gangster erwarten würdet? Finden wir auch. Und so verwundert es zunächst nicht weiter, dass unser Protagonist Lincoln Clay ein schwarzer Vietnam-Veteran ist, der nicht unbedingt mit offenen Armen von der amerikanischen Gesellschaft aufgenommen wurde. Zum Geldverdienen schließt er sich seiner Familie an – und stellt nicht unbedingt völlig legale Dinge an.

Dabei kommt die ganze Vereinigung den italienischen Mafiosi in die Quere – mit verheerendem Ergebnis. Als einziger Überlebender sinnt Lincoln jetzt auf Rache, aber ohne tatkräftige Unterstützung ist kein Blumentopf zu gewinnen. Zu diesem Anlass schmiedet er strategische Allianzen mit den Haitianern, den Iren und Vito Scaletta. Der Name kommt Euch bekannt vor? Kein Wunder, schließlich handelt es sich dabei um den Protagonisten des Vorgängers, und der ist ebenfalls nicht besonders gut auf seine ehemaligen Genossen zu sprechen. Nicht unbedingt eine Position der Stärke, aber immerhin eine Chance auf Rache – und hier kommen wir nun ins Spiel.

Eine Frage der Macht

Um die italienischen Mafiosi nachhaltig auszuschalten, müsst Ihr an Einfluss gewinnen – und das funktioniert am besten, in dem man ihnen die Wurst vom Brot nimmt. Neben den eigentlichen Story-Missionen gibt es die arttypischen Nebenmissionen, in denen man verschiedene Geschäfte übernimmt. Egal, ob Moonshine, leichte Mädchen oder harte Drogen, Lincoln reißt sich nach und nach alles unter den Nagel – bis hin zu kompletten Stadtteilen.

Leider ist das Ganze dabei recht abwechslungsarm. Wenn man eine ganze Reihe derartiger feindlicher Übernahmen hintereinander erledigt, kommt schnell das Gefühl auf, dass man hier recht geistlos „grindet“. Es wirkt bisweilen mechanisch, man fällt aus der Rolle des Lincoln Clay heraus und rödelt seine Aufgaben halt so herunter. Das ist wohl kaum im Sinne des Erfinders.

Ain’t no love in the heart of the city

Eines wird sehr schnell klar: „Mafia 3“, atmet, schwitzt und lebt die Ära der späten 60er wie kaum ein zweites Spiel. Nicht nur, dass die Story zumindest in Grundzügen mal aus der Reihe fällt, man schafft es auch, die Spieler abzuholen und in dieser vergangenen Zeit abzuliefern. Und den größten Anteil daran trägt zweifelsohne der Soundtrack, der ein ganz besonderer Leckerbissen für Musikliebhaber ist. Über 100 Songs aus den 60ern und 70ern, von Soul bis Punk, von den Supremes bis zu den Ramones, die Bandbreite ist riesig und der Soundtrack insgesamt einfach nur umwerfend.

Tja – damit haben wir aber die wirklich guten Seiten von „Mafia 3“ aber schon beinahe erschöpfend behandelt. Die Grafik ist leider nicht unbedingt so zeitgemäß, wie man es für einen so sehnsüchtig erwarteten Titel erhofft hätte. Große Teile der Spielwelt (die von einer akzeptablen Größe ist, aber keineswegs den Umfang von San Andreas besitzt) sind ziemlich schmuck- und teilweise auch leblos. Es gibt nur wenige Bereiche, die die großartige Atmosphäre, die von der Soundkulisse ausgelöst wird, auch adäquat unterstreichen.

Schlimmer noch: Technisch ist sich „Mafia 3“ so überhaupt nicht State-of-the-Art. Ganz davon abgesehen, dass die von uns getestete Xbox-One-Fassung häufiger mit starken Rucklern und einer Framerate mit teils deutlich unter 30 FPS zu kämpfen hatte, so fehlen auch viele eigentlich absolut gängige Grafik-Elemente. Man konnte es unmittelbar nach dem Launch ja schon überall lesen: Man kann sich nicht im Spiegel sehen, und das ist vor 20 Jahren in „Duke Nukem 3D“ eingeführt worden. Und auch andere nichttechnische Elemente, die den Vorgänger noch ausgemacht haben, sind in „Mafia 3“ der Schere zum Opfer gefallen.

 

Auf geheimer Mission

Was uns dann aber dennoch ein wenig versöhnt ist die Tatsache, dass die eigentliche Handlung von „Mafia 3“ durchaus ihre guten Seiten hat. Das Ganze ist recht gut inszeniert, die drei verbündeten Parteien können verschiedene Hilfsmittel bieten, wenn man ihnen nur genügend entgegen kommt, auch wird dem Element des Schleichens einige Bedeutung zuteil. Vielleicht ist das Missionsdesign nicht unbedingt so abwechslungsreich, wie wir es uns gewünscht hätten, im Zusammenhang mit den spannenden Gefechten und der Story geht das aber durchaus in Ordnung. Glück im Unglück: Viele der Kritikpunkte, die wir bei „Mafia 3“ anführen können, wären per Patch zu beheben, ohne dass man irgendwas an der Mechanik ändern müsste. Hoffentlich tut sich diesbezüglich noch etwas.

Und das trifft auch auf das Thema „KI“ zu, denn hier hakt es auch ziemlich. Wieder einmal wäre der Ausdruck „Künstliche Dummheit“ treffender, wirklich schwer zu kämpfen hat man praktisch auf keinem der Schwierigkeitsgrade – und zwar nur, weil sich die Gegner anstellen, als würden sie zum ersten Mal in einem Feuergefecht stecken. Es bleibt zu hoffen, dass auch hier zeitnah nachgebessert wird, irgendwie glauben wir aber nicht so recht daran. Zu viel Arbeit dürfte in die rein technischen Probleme gesteckt werden, als dass man sich noch zeit nehmen würde, das Gameplay-Balancing zu optimieren.

Kein neues GTA

Während der Vorgänger noch durchaus Potential zeigte, eine recht gelungene Überbrückung zwischen GTA IV und GTA V darzustellen, kann man so etwas von „Mafia 3“ leider nicht behaupten. Keine Frage, in nicht allzu ferner Zeit wird man den Titel wieder vergessen haben, keine angenehmen Erinnerungen wie die an „Mafia 2“ werden verbleiben. Es ist leider nur viel zu offensichtlich, dass der Titel noch ein halbes Jahr Entwicklungszeit gebraucht hätte. Die Technik wurde mit der heißen Nadel gestrickt und das Missionsdesign lässt an einigen Stellen zu wünschen übrig.

Das bedeutet nun nicht zwangsläufig, dass „Mafia 3“ Schrott wäre – man kann mit dem Spiel durchaus Spaß haben. Allerdings wird das Spiel den hohen Erwartungen, die der Vorgänger geweckt hat, leider nicht gerecht. New Bordeaux ist leider ein ziemlich trostloser Ort, in dem es nicht besonders viel zu entdecken gibt. Die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten der Konkurrenz fehlen, außerdem lädt „Mafia 3“ auch nicht unbedingt dazu ein, irgendwelchen Blödsinn zu machen – eine Disziplin, die die „GTA“-Reihe bekanntlich mit Bravour meistert. Und mit der muss man sich in diesem Sektor einfach vergleichen lassen.

Dafür gibt es dann aber ein hochinteressantes Szenario, wie man es eben nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Schwarze, Iren, Haitianer, Italiener im Kampf um die Vorherrschaft einer längst vergangenen Ära – das ist „Melting Pot“-Amerika mal etwas anders. Und das ist eben so schade: Die Konzepte und die Atmosphäre von „Mafia 3“ sind großartig, lediglich die Umsetzung hat so ihre Makel.

Bewertungen

Grafik - 7.1
Sound - 9.3
Gameplay - 7.3
Umfang - 7.2

7.7

Gesamt

Schnell das Pflaster herunterreißen: "Mafia 3" ist nicht das Spiel, das wir uns erhofft haben. Das Potential war da, aber es ist in erster Linie die Technik, die uns einen Strich durch die Rechnung macht. Die wirkt wie mit der heißen Nadel gestrickt und wird hoffentlich in den meisten Negativpunkten noch per Patch repariert. Aber auch rein konzeptionell gibt es durchaus Schwächen. Dem gegenüber steht aber eine bezaubernde Atmosphäre, ein erstklassiger Soundtrack und ein spannendes, weil nicht alltägliches Setting. Wenn Ihr ein dringendes Bedürfnis nach ein wenig Open-World-Gameplay habt, könnt Ihr zugreifen. Wenn Ihr aber einen Titel erwartet, der den Vorgänger adäquat beerbt, könnte es enttäuschend werden.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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