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Review: Mass Effect Andromeda

Lange mussten wir warten, doch jetzt ist es endlich soweit: Mit „Mass Effect: Andromeda“ erreicht uns das jüngste Abenteuer der Traditionssaga. Auf Commander Shepard müssen wir dieses Mal verzichten, wen man stattdessen ins Rennen schickt und ob sich der Kauf dennoch lohnt, erfahrt Ihr in unserem Test.

Ein neues Zeitalter?

„Mass Effect: Andromeda“ nimmt seine Anfänge im Jahr 2185, zwischen Teil 2 und Teil 3 der Saga. Wie bereits erwähnt dürfen wir kein Wiedersehen mit Commander Shepard feiern, vielmehr suchen wir uns einen Charakter des Geschwisterpaars Scott und Sara Ryder aus. Und jetzt wird es abgefahren: Unser Protagonist (oder eben die Protagonistin) erwacht nach über 600 Jahren Kryoschlaf während einer Reise ins Andromeda-System auf einer Arche. Dort sollen wir neuen Lebensraum finden, treffen aber auf die mysteriösen Kett und auf andere fremde Rassen – sind uns diese freundlich gesinnt oder sollten wir besser auf der Hut sein?

Das ist sozusagen die Kurzfassung, ein grober Abriss der Story. Wer die Vorgänger kennt, weiss natürlich, dass die Geschichte viel komplexer, viel verzweigter als das ist. Die Story spielte in der Reihe von je her eine große Rolle, und da macht auch „Mass Effect: Andromeda“ keine Ausnahme – wenn wir mal davon absehen, dass der Anfang ein wenig… nun, schwach daherkommt. Nach einigen Stunden nimmt die Handlung dann aber ganz klar an Fahrt auf.

Donnerwetter!

Als Dreh- und Angelpunkt für unsere Tätigkeit als „Pathfinder“ – also Suchtrupp für neuen Lebensraum, allerdings auch als Brückenbauer zwischen den Welten – ist unser Raumschiff, die Tempest. Dort befindet sich auch der Rest unseres Teams, eine Mannschaft von Kollegen, mit denen wir uns um die Erledigung der verschiedenen Missionen kümmern können und sollen. Und natürlich kommt auch das Action-Element nicht zu kurz.

Tatsächlich liefert uns „Mass Effect: Andromeda“ Kämpfe, die noch näher an Action-Shootern liegen als es bei den Vorgängern der Fall war. Und das finden wir auch gar nicht schlecht, eröffnet es doch einem größeren Publikum den Weg in die Spiele-Reihe. Das nimmt aber auch nicht solche Ausmaße an, dass sich „alte Hasen“ gestört fühlen dürften. Wirklich toll ist aber dabei, wie viel Arbeit die Entwickler in das Universum gesteckt haben: Jeder noch so unbedeutende Charakter hat seine Hintergrundgeschichte, alles wirkt „organisch“ und aus einem Guß.

Auch die Erkundungen der Planeten im Nomad-Buggy macht ziemlich viel Spaß – und dabei bieten die Planeten häufig unterschiedliche Gefahren und Umwelteinflüsse, auf die wir uns einstellen müssen. Da gilt es stets darauf zu achten, wie es um unsere Ausrüstung bestellt ist. Die können wir uns auch per Crafting herstellen, zwingend notwendig ist es allerdings nicht.

Diskussionsbedarf

Im Vergleich zu den Vorgängern verbessert wurde auf jeden Fall das Dialogsystem. Wo man früher eigentlich immer direkt erkennen konnte, dass Antworten die Handlung in eine von zwei Richtungen lenkte, gibt es in „Mass Effect: Andromeda“ wesentlich feinere Abstufungen dahingehend. Überhaupt wirken Dialoge und auch Interaktionen zwischen NPCs wesentlich weniger wie per Brechstange in eine bestimmte und offensichtliche Richtung gelenkt. Es ist darüber hinaus stellenweise einfach wunderbar, den Kollegen bei ihren Gesprächen zuzuhören – vielleicht gibt es keine wirklich wichtigen Inhalte zu erfahren, man merkt aber doch sehr gut, dass die Entwickler sehr viel Energie in die Hintergrundgeschichten gesteckt haben.

Auch ohne eine völlig frei zu bereisende Galaxie bietet das Spiel unheimlich viel zu entdecken. Während man mit dem Hauptstrang der Handlung wohl nach rund 30 Stunden durch sein dürfte, gibt es aber noch reichlich Material um den Spieler insgesamt locker 50 Stunden beschäftigt zu halten. Wer dann wirklich jede Ecke der Spielwelt erkunden möchte, sitzt natürlich noch länger vor der Konsole.

Pittoreske Planeten

Und das lohnt sich dann auch durchaus: Die Spieltwelt ist einfach atemberaubend schön. Manchmal möchte man einfach nur innehalten und genießen – wenn es bloss nicht so viele gefährliche Ecken gäbe! Technisch läuft das Ganze recht solide, sieht man mal von einigen Framerate-Einbrüchen in der von uns getesteten Xbox-One-Fassung ab. Die Frostbite-Engine kann hier in vielen Belangen wieder einmal punkten, auch wenn klar wird, dass es durchaus Optimierungsbedarf gibt. Dafür sind aber sowohl Soundtrack als auch die deutsche Synchro recht ordentlich gelungen.

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, auf den viele Spieler warten, die die Entwicklung rund um „Mass Effect: Andromeda“ verfolgt haben: Die Charakter-Animationen im Allgemeinen und die Gesichtsanimationen im Besonderen. Tatsächlich hat man sich hier nicht mit Ruhm bekleckert, da gab es schon deutlich Besseres zu sehen. Ganz so katastrophal wie ursprünglich in den Medien dargestellt ist es allerdings nicht, wenngleich es durchaus gelegentlich kuriose Effekte bei den Gestiken zu beobachten gab. Dass das den positiven Gesamteindruck aber trübt, lässt sich nicht leugnen. Wie das durch die Qualitätssicherung rutschen konnte, ist uns unerklärlich. Da muss wohl der Zeitdruck eine größere Rolle gespielt haben.

Neu und alt

„Mass Effect: Andromeda“ bringt eine Reihe neuer Spielelemente mit, die versuchen, etwas Frische ins Gameplay zu bringen. Besonders das Jetpack bringt eine neue Dimension ins Spiel, bei Kämpfen hat man damit einfach mehr taktische Möglichkeiten. Das ist zwar insgesamt ziemlich cool und wird manchen Kenner der Reihe ebenso wie automatische Deckung und Dashes begeistern, kann aber kaum darüber hinwegtäuschen, dass das Spiel unheimlich viele bekannte Facetten aus der originalen Trilogie wiederverwertet.

Nach all den Jahren hätten wir uns da ein wenig mehr Frische gewünscht, auch wenn das Gebotene nun wirklich nicht schlecht ist. Aber die Zeit bleibt eben nicht stehen – und nachdem man nun schon die bekannte Umgebung verlassen und alte Charaktere in Rente geschickt hat, hätte man bestimmt auch mit einer blanken Leinwand von vorne anfangen können. Das ist aber zugegebenermaßen Jammern auf hohem Niveau und überdies eine Geschmacksfrage – für viele Fans der Reihe dürfte „Mass Effect: Andromeda“ einfach nur mehr vom bekannten Erfolgsformat sein, und das ist sicherlich auch okay.

Eine Space-Oper

Uns hat „Mass Effect: Andromeda“ in der Gesamtheit gut gefallen. Vielleicht ist die Handlung nicht mehr ganz so episch wie früher, aber immer noch sehr solide. Der neue Protagonist – egal welchen Geschlechts – ist zwar ziemlich cool, aber eben doch kein Commander Shepard. Vielleicht ist das auch eine Geschmackssache, uns erging es aber so, dass wir uns Shep zurückgewünscht haben, und zwar nicht nur einmal.

Vielleicht muss man sich fünf Jahre nach dem Ende der ursprünglichen Trilogie auch einfach mal damit abfinden, dass diese Zeiten vorüber sind. „Mass Effect: Andromeda“ polarisiert da etwas, aber ein schlechtes Spiel ist es definitiv nicht. Wir gehen auch davon aus, dass einige der weniger schönen Seiten in den nächsten Wochen korrigiert werden – so ein großer Name wie „Mass Effect“ verpflichtet eben. Im Zweifelsfall solltet Ihr die Entwicklungen rund um das Spiel noch eine Weile im Auge behalten.

Bewertung

Präsentation - 80%
Gameplay - 79%
Umfang - 83%

81%

Gesamt

„Mass Effect: Andromeda“ verlässt sich vielleicht ein wenig zu sehr auf traditionelle Werte - auch wenn man hier und da ein paar Neuerungen eingebracht hat. Und hier begeben wir uns wieder in den Bereich der Geschmackssache: Für manche Spieler war das die richtige Entscheidung, andere hätten sich nach fünf Jahren Pause dann doch mehr Frische gewünscht. Trotzdem gilt: Auch wenn der Titel nicht hundertprozentig den persönlichen Geschmack trifft, so lohnt sich ein Blick dennoch - schlecht ist „Mass Effect: Andromeda“ nämlich unter keinen Umständen.

Benutzerwertung: 0.55 ( 1 Stimmen)

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