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Review: Meisterdetektiv Pikachu

Wo „Pikachu“ drauf steht, muss nicht immer ein ganzer Stall voll Pokémon drin stecken – und das beweist uns jetzt „Meisterdetektiv Pikachu“ auf der 3DS-Familie von Nintendo. Dieses mal beackert man nicht das Feld der Rollenspiele, vielmehr handelt es sich bei dem Titel um so eine Art Detektiv-Adventure rund um ein ganz besonders populäres Wesen. Ob das Ganze Spaß macht und ob sich der Kauf lohnt, erfahrt Ihr in unserem Test.

Wo ist der Kerl?

„Meisterdetektiv Pikachu“ erzählt die Geschichte von Tim Goodman, dessen Vater, zufälligerweise ein Detektiv, plötzlich verschwunden ist. Den möchte er jetzt finden, und dabei kommt ihm ein ganz besonders illustrer Charakter zu Hilfe – nämlich Pikachu. Und der ist auch ganz froh um die Zusammenarbeit, denn außer Tim kann ihn niemand verstehen. Der Rest der Menschheit scheint einfach nur „Pika Pika“ zu hören, was ihn zunehmend verstört.

Wie Ihr Euch sicherlich denken könnt, handelt es sich bei „Meisterdetektiv Pikachu“ nicht um ein Rollenspiel im für die Serie klassischen Sinne, sondern mehr um ein Puzzle-Adventure. Und da man sich in erster Linie an jüngere Zocker richtet, ist der Schwierigkeitsgrad auch extrem niedrig angesetzt. Dank einer (abschaltbaren) Hilfe-Funktion wird die Lösung einzelner Fälle wirklich schnell offensichtlich, dennoch erwartet „Meisterdetektiv Pikachu“, dass wir jedes erdenkliche Objekt in Augenschein nehmen und uns mit jeder Person unterhalten.

Ein Fest für Kids?

„Meisterdetektiv Pikachu“ hält auch bei ungeübten und jungen Zockern nur rund 12 Stunden vor, bis man das Ende gesehen hat – macht dabei aber durch die starken Charaktere eine recht gute Figur. Gerade unser Pikachu kommt ungewöhnlich daher, ein bärbeißiger, grummeliger Typ, der viel menschlicher ist, als man das annehmen sollte. Was er an Selbstbewußtsein und Flapsigkeit zuviel besitzt, fehlt unserem anderen Protagonisten Tim – insofern passen die beiden ausgezeichnet zueinander.

Vielleicht wünschen sich gerade Kids eher einen süßen Pikachu – damit kann das Spiel aber nicht dienen. Wir fanden aber das Zusammenspiel der beiden Charaktere recht gut, sogar so weit, dass es davon ablenkt, dass die Fälle/Rätsel für Erwachsene deutlich zu leicht sind. Auch die Cutscenes helfen dabei, die Atmosphäre zu transportieren – es funktioniert also durchaus, einen einzelnen Pokemon in so eine Art Adventure zu stecken.

Augen auf!

Wenn man sich vor Augen hält, dass Nintendos 3DS-Plattform nun auch schon wieder sieben Jahre auf dem Buckel hat und technisch alles andere als zeitgemäß ist, ist „Meisterdetektiv Pikachu“ optisch doch einigermaßen überzeugend umgesetzt. Wie bereits erwähnt, wissen vor allem die Cutscenes zu gefallen, darüber hinaus gibt sich das Ganze eher zweckdienlich. Wer allerdings erwartet, dass die 3D-Funktionalität des 3DS-Screens genutzt wird, darf sich einmal mehr auf eine Enttäuschung gefasst machen. Die Zeiten, in denen der 3D-Screen ein echtes Technik-Zugpferd darstellte, sind wohl allerspätestens seit der Einführung der 2DS-Geräte endgültig vorüber.

Bei der Vertonung gibt es allerdings noch etwas zu beachten: „Meisterdetektiv Pikachu“ liefert ausschließlich englische Sprachausgabe, dafür gibt es deutsche Untertitel. Das macht es für wirklich junge Spieler natürlich unmöglich, der Handlung zu folgen, das Spiel wird sozusagen zum Blindflug. Damit beziehen wir uns nicht nur auf Kids, die noch gar nicht lesen können – auch solche, die noch einigermaßen langsam und nicht hundertprozentig sicher lesen, werden hier ihre Probleme bekommen. Bei Games, die sich primär an Kids richten, verstehen wir einfach nicht, wie Entwickler auf eine Lokalisierung verzichten können – besonders, wenn selbst acht- oder neunjährige Kinder aufgrund der Textmengen schnell aufgeben.

Eingeschränkt empfehlenswert

„Meisterdetektiv Pikachu“ ist durchaus ein akzeptables Erlebnis für Kids – und wenn man als Erwachsener ein paar Stunden totschlagen will und das Spiel ohnehin herumliegt, ist die Zeit auch nicht völlig verschenkt. Es gibt da aber auch Einschränkungen: Falls Ihr knallharte Pokémon-Fans seid und irgendetwas in Richtung RPG erwartet, werdet Ihr „Meisterdetektiv Pikachu“ doch tendenziell in die Ecke pfeffern.

Ebenso gilt, dass Ihr besser keine großen Anforderungen an die Rätselqualität und anspruchsvolle Adventure-Mechaniken haben solltet. Es wird sehr schnell offensichtlich, dass man sich eben nicht an routinierte Adventure-Freunde richtet. Wenn das keine Rolle spielt und das Lesen der Untertitel kein Problem darstellt, kann man „Meisterdetektiv Pikachu“ durchaus empfehlen.

Meisterdetektiv Pikachu – Veröffentlichungstrailer (Nintendo 3DS)

Bewertung

Präsentation - 71%
Gameplay - 64%
Umfang - 74%

70%

Gesamt

„Meisterdetektiv Pikachu“ ist ein Kinderspiel durch und durch - aber eignet sich nur bei einigermaßen soliden Lesefähigkeiten. Leider hat man auf eine deutsche Synchronisation verzichtet, was das Spiel für die ganz Kleinen und Kids, die beim Lesen unsicher sind, leider untauglich macht. Erwachsene können damit zwar auch mal eine Weile daddeln, da der Schwierigkeitsgrad aber nahe an „null Herausforderung“ liegt, erfreut man sich wohl eher an der Wechselbeziehung zwischen Pikachu und Tim Goodman. Insgesamt nicht schlecht, aber mit Luft nach oben.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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