Montag, 20. November 2017
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Review: The Evil Within 2

Es ist ja immer eine große Herausforderung, eine neue IP aus der Taufe zu heben – und nach dem ersten Ableger sollte im Idealfall auch noch Interesse an einem Nachfolger bestehen. „The Evil Within“ war dieses Glück beschieden – nicht nur, dass man dem PR-Hype gerecht wurde, die Spieler freuten sich auch schon unheimlich auf den Nachfolger. Der ist nun erschienen und wir testen für Euch, ob sich der Kauf lohnt.

Ein gebrochener Mann

Man kann sich ja vorstellen, dass die Ereignisse aus dem Vorgänger unseren Protagonisten Sebastian Castellanos nicht ganz kalt gelassen haben – durch die Hölle zu gehen kann einen Menschen ganz schön mitnehmen. Und so verwundert es auch nicht weiter, dass der gute Mann in einem ziemlich desolaten Zustand ist. Nach dem Verlust von Frau und Tochter hat er mit dem Trinken angefangen und ist daraufhin auch den Job losgeworden.

Plötzlich wird er von seiner ehemaligen Partnerin Juli Kidman besucht. Und das ist nicht einfach nur eine Höflichkeitsvisite: Sie erklärt ihm, dass seine Tochter noch am Leben sei – die wäre nicht wie angenommen in einem Feuer umgekommen, sondern wurde von der Geheimorganisation Mobius für irgendwelche Experimente missbraucht. So richtig kann Castellanos das nicht glauben, aber er will dann doch nichts unversucht lassen – und so geht es zurück in die Welt des Schmerzes.

Schottische Shooter-Action

An Gameplay und Spielidee selbst hat sich bei „The Evil Within 2“ im Vergleich zum Vorgänger gar nicht so viel getan. Noch immer stellt sich uns jede Menge untotes Zeug in den Weg – und das dürfen wir entweder mit viel Waffengewalt plätten oder so gut es geht umgehen. Letztendlich mündet das in zwei möglichen Spielstilen, allerdings gilt gerade am Anfang, dass Munition ein rares Gut ist – da muss man auch mal ein wenig „zwischen den Welten“ wandeln.

Eine ziemlich maßgebliche Neuerung ist allerdings in der Spielwelt zu finden. Natürlich gibt es nach wie vor fixe Missionen, abseits davon gilt die Stadt Union aber als so eine Art Open-World-Hub. Hier dürfen wir nicht nur Wege zwischen den Missionen zurücklegen, sondern auch die Umgebung erkunden – und das lohnt sich durchaus, schließlich bringt auch „The Evil Within 2“ wieder ein Crafting-System mit. Dieses ist jetzt nicht unbedingt der absolute Hammer, erfüllt aber seinen Zweck. Und gerade, wenn man sich für eine zünftige Ballerei vorbereitet, ist die Erkundung der Spielwelt unumgänglich.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt bekommt man einen „Safe Room“ dazu. Dieser birgt eine Besonderheit, und zwar einen Schießstand, der gleich zwei unterschiedliche Spielmodi mitbringt. Auch das ist nicht einfach nur ein Easter-Egg, denn durch das Erreichen guter Leistungen bekommt man verschiedene Belohnungen. Dabei kann es sich um Waffenteile handeln, aber auch um die grüne Substanz, die notwendig für die Nutzung des durchaus interessanten Skillsystems ist.

Medium gebraten

In „The Evil Within 2“ zeigt sich ganz deutlich, dass die Entwickler einige Zeit hatten, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das Franchise etwas leichter zugänglich für eine größere Nutzergruppe gestalten könnte. Das Resultat ist vor allem in Sachen Schwierigkeit deutlich einfacher, die im Vorgänger zweifellos vorhandenen Ecken und Kanten wurden glatt gehobelt. Vielleicht mag das die Spieler, die echte Herausforderungen suchen, etwas fuchsen, als Produkt für den Massenmarkt profitiert „The Evil Within 2“ aber sehr von dieser Entscheidung.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen, wie sehr sich das Spieltempo in der ersten und der zweiten Spielhälfte unterscheiden. Nun wollen wir wahrlich nicht behaupten, in den ersten 8-10 Stunden wäre nichts los – es tut sich aber deutlich weniger als im Rest vom Spiel. Es ist beinahe so, als würde dann ein Schalter umgelegt werden, und die Hölle, durch die Sebastian Castellanos wandeln muss, wird gleich nochmal so heftig wie zuvor. Spätestens dann darf man sich wieder darauf vorbereiten, an jeder zweiten Ecke über den Jordan gehen zu können. Ein etwas eigenartiges „Pacing“, aber das mag durchaus eine bewusste Design-Entscheidung gewesen sein.

Das Grauen hat ein Gesicht

Mit der Grafik von „The Evil Within 2“ ist das so eine Sache: Natürlich kann man einen mehr oder minder deutlichen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger feststellen, an vielen Ecken und Enden wirken die 3D-Modelle aber übermässig künstlich und hölzern. Außerdem war die Umgebung im Vorgänger düsterer, schmutziger, grauer als dieses Mal. Dafür arbeiten die Entwickler in „The Evil Within 2“ sehr stark mit der Beleuchtung – und davon profitiert die Atmosphäre ganz deutlich. Letztendlich ist das Gebotene durchaus zeitgemäß, wenn auch nicht die absolute Krönung der Schöpfung, vor allem, weil es ein paar kleinere technische Unzulänglichkeiten zu beklagen gibt. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie das Spiel auf der Xbox One X aussehen wird.

Fernab von Tadel sind aber Soundtrack und Sprachausgabe. Letztere liegt erfreulicherweise in deutscher Sprache vor. Nicht nur, dass Sebastian Rotermund (Dragon Age 2, Dr. House, Arrested Development) den Sebastian Castellanos gibt – man hat auch Gaming-Prominenz für etwas kleinere Rollen gewinnen können. Unter großer Aufmerksamkeit konnte man Gronkh und seine Lebensgefährtin Pandorya als Synchronsprecher verpflichten. Bei aller Kritik an solchen PR-Stunts (große Namen aus dem „Let‘s Play“-Business ziehen viele Spieler an): Gerade Gronkh besitzt ein außerordentliches Talent für das Synchron-Geschäft. Man muss also nicht befürchten, aus PR-Gründen mit Amateursprechern aus der Atmosphäre gerissen zu werden.

Die volle Packung

In vielerlei Hinsicht ähnelt „The Evil Within 2“ seinem Vorgänger – das Spiel trägt eben einmal mehr die Handschrift von Shinji Mikami. Sieht man aber von der Optik ab, die vielleicht nicht immer die Atmosphäre bietet, wie man sie vom Vorgänger gewohnt war, macht der Titel einen deutlich reiferen Eindruck. Das mag nicht jedermanns Fall sein, und vermutlich finden sich auch einige Zocker, die eine solche „Gleichmacherei“ absolut ablehnen. Die Meinungen dürften hierbei wohl ziemlich auseinandergehen.

Wir haben schon den Vorgänger sehr gefeiert – und wir sind auch beim neuen „The Evil Within 2“ nicht enttäuscht. Es wäre einfach zu langweilig, wenn man haargenau da weiter gemacht hätte, wo man mit dem Vorgänger aufhörte. Die Entwickler von Tango Gameworks haben kleinere Änderungen vorgenommen, wo es dem Spielprinzip und dem Franchise dienlich war, haben aber die Stärken des Vorgängers beibehalten.

Bewertung

Präsentation - 84%
Gameplay - 87%
Umfang - 85%

85%

Gesamt

“The Evil Within 2“ ist etwas erwachsener als der Vorgänger - im Schnitt nicht mehr ganz so schwer, ein wenig überzeugender bei den Charakteren, aber noch immer der reine Survival-Horror, gegossen in Bits und Bytes. Hier und da gibt es ein paar Punkte, die wir uns besser gewünscht hätten, im Allgemeinen haben die Entwickler von Tango Gameworks aber ein mehr als ordentliches Werk abgeliefert - wer auf Horror, Zombies, Survival und Co. steht, ist hier definitiv an der richtigen Adresse.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

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