Startseite / Reviews / Review: Virginia

Review: Virginia

Unter dem Titel „Virginia“ erreichte uns unlängst ein neues und ziemlich „anderes“ Videospiel aus dem Hause Variable State. So wirklich viel gab es im Vorfeld dazu nicht zu erfahren, und das auch mit gutem Grund: „Virginia“ spielt sich am besten, ohne dass man weiß, worauf man sich einlässt. Für schlappe 9,99 Euro kann man das Risiko auch mal eingehen, oder etwa nicht? Lest unseren Test und findet es heraus.

 

Wo geht‘s hier nach Twin Peaks?

„Virginia“ versetzt uns in die Haut von Anne Tarver, einer frischgebackenen FBI-Agentin, die mit einem besonders unangenehmen Fall vertraut wurde – ein kleiner Junge ist spurlos verschwunden. Dem Erlebnis zuliebe wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter erzählen, es ist – wie eingangs bereits erwähnt – sinnvoller, „ins kalte Wasser“ zu springen. Und deshalb berichten wir lieber über die Atmosphäre, die „Virginia“ so meisterhaft auf den Bildschirm bringt, als würde niemand geringeres als David Lynch die Fäden ziehen.

Vielleicht habt Ihr den Lynch-Vergleich schon häufiger gelesen – es steckt aber auf jeden Fall eine Menge Wahrheit dahinter. Nicht nur, dass die FBI-Geschichte um einen verschwundenen Menschen gewaltig nach „Twin Peaks“ riecht, die Macher von Variable State spielen auch in Sachen Atmosphäre, Sound und Musik kräftig auf solche Meisterwerke an. Das Ganze findet in First-Person-Perspektive statt, auf neudeutsch würde man „Virginia“ wohl am ehesten als „Walking Simulator“ bezeichnen. Es geht nicht darum, wilde Schlachten zu schlagen oder irgendetwas zu erbauen, wir sollen die Story einfach nur in uns aufnehmen.

Mehr Film als Spiel?

In vielerlei Hinsicht ist es tatsächlich so, dass „Virginia“ mehr Erlebnis als ein reines Videospiel ist. Einerseits hängt das damit zusammen, dass es nur wenige wirkliche Aufgaben im Spiel gibt, andererseits auch damit, dass das Narrativ so stark ausfällt. Und da kommt noch etwas zum Tragen: „Virginia“ hätte für ein Videospiel einen ziemlich geringen Spielumfang. Mehr als zwei Stunden braucht man nicht, wenn man das Spiel konzentriert angeht. Nach dem zweiten Durchgang hat man dann auch alle Achievements/Trophies geholt – nicht unbedingt rekordverdächtig.

Dafür ist der Stil, den die Entwickler an den Tag legen, unvergleichlich. Die Geschichte wird erzählt, ohne große Worte zu verlieren, außerdem fordert „Virginia“ dem Spieler alle Aufmerksamkeit ab, da es immer wieder zu wilden Sprüngen kommt. Highlight ist aber zweifellos der Soundtrack, der nicht nur aus meisterlicher Hand stammt, sondern auch vom Prager Symphonieorchester aufgenommen wurde. Alleine das zeigt schon, wie wichtig den Entwicklern die Atmosphäre ist – trotz kurzer Spielzeit und günstigem Kaufpreis.

Die Optik ist dabei sicherlich eine Geschmackssache. Man darf davon ausgehen, dass es eine gewählte Entscheidung war, die Grafik einfach zu halten. Es gibt keine hochauflösenden Texturen, die 3D-Objekte haben nur ein Mindestmaß an Polygonen. Insgesamt fühlt man sich trotz moderner Hardware ein wenig an die Zeiten von „Another World“ und „Flashback“ auf dem Amiga erinnert. Wenn man damit kein Problem hat, unterstützt dieser Stil die surreale Atmosphäre noch weiter.

Kunst und Krempel

Wäre „Virginia“ ein Film, würde man das Ganze dem Arthouse-Genre zuordnen. Es ist ganz klar, dass der Titel sich keineswegs für alle Spieler eignet. Für Action-Fans passiert zu wenig, Grafik-Fetischisten werden auch nicht mit der Niedrigpolygonoptik glücklich, Puzzle-Fans werden zu wenig gefordert. Wenn man aber bereit dazu ist, mal etwas anderes auszuprobieren, eine Art Film, den man aus der Ego-Perspektive wahrnimmt, dann ist „Virginia“ eine spannende Sache für einen schmalen Taler. Ein knapper Zehner für so ein außergewöhnliches Spiel ist trotz der Kürze keineswegs zuviel verlangt.

505 Games hat einen außerordentlich guten Riecher bewiesen, als man sich als Publisher anbot – und Variable State hat in liebevoller Arbeit einen etwa anderen Krimi erschaffen. Der ist zwar aus rein spielmechanischer Sicht eher unaufregend, dafür hat man aber ein frisches Konzept bemüht, das vor allem Film-Fans unheimlich gut gefallen wird.

Bewertungen

Spielspaß: - 7
Präsentation: - 8
Preis/Leistung: - 8

7.7

Gesamt

„Virginia“ ist sicherlich mehr Film als Spiel - aber genau das macht den Titel so besonders. Fans von Werken wie „Twin Peaks“ kommen hier voll auf ihre Kosten, auch wenn man keine Worte verliert. Die Atmosphäre ist hochwertig, der Soundtrack großartig, dennoch müssen wir einschränken: „Virginia“ dürfte den meisten Spielern nicht wirklich in den Kram passen. Das Gameplay beschränkt sich auf ein Minimum, es geht mehr darum, eine Story zu erzählen. Die ist aber durchaus gelungen und spannend - für einen Zehner kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Benutzerwertung: Bewerte als erstes!

Ebenfalls interessant

The Crew 2 – Harley-Davidson kommt exklusiv in das Spiel

Ubisoft und Harley-Davidson kündigten heute an, dass Spieler in The Crew 2 mit mehreren exklusiven …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz - Bitte Aufgabe lösen! *