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Review: Steep

In den letzten Jahren waren es hauptsächlich die etablierten Sportarten, die mit Videospielumsetzungen versorgt wurden. Sport muss aber nicht immer bieder sein, mit strengem Regelwerk und Einheitsuniformen – das will jetzt auch Ubisofts neuer Funsport-Titel „Steep“ beweisen. Ob das gelingt oder ob der Titel im Pulverschnee versinkt, erfahrt Ihr in unserem Review.

Mach doch einfach!

„Steep“ basiert auf keiner Story, man erzählt uns also keine Geschichte eines tollen und hippen Events. „Steep“ ist vielmehr ein Dach für vier Sportarten, die zumindest großteils dem „Funsport“ zugeordnet werden können: Ski-Fahren, Snowboarden, Paragliding und Wingsuit-fliegen. Das Ganze findet in einer riesigen offenen Spielwelt statt, in der man sich ganz frei bewegen darf. Und das ist schon eine der ganz großen Stärken von „Steep“: Zwar sind die Alpen, die als Vorbild für die Spielwelt herhalten müssen, nicht so abwechslungreich wie man es aus anderen Open-World-Games kennt, da es sich ja um Wintersportarten handelt, dafür ist das Ganze unheimlich schick anzusehen und im Rahmen der Möglichkeiten kommen auch wenige optische Ermüdungserscheinungen zum Tragen.

Worauf man sich bei „Steep“ gefasst machen darf, ist hohe Geschwindigkeit – zumindest bei drei von vier Disziplinen. Das Paragliding sticht hier ein wenig heraus, denn das Ganze wirkt im direkten Vergleich mit dem Rest des Spiels als ziemlich entschleunigt. Insgesamt bieten die verschiedenen Herausforderungen aber eine ganze Menge Abwechslung, hier gibt es wenig Raum für Langweile.

Jetzt aber schnell schnell!

Das mit den Herausforderungen in „Steep“ ist ja schon so eine Sache für sich: Die Entwickler haben sich alle Mühe gegeben, uns nicht einfach nur eine Liste an Rennen und Co. vor die Füße zu werfen. Vielmehr darf man sich gemütlich durch die offene Spielwelt begeben und entdeckt die Herausforderungen so nach und nach. Und hier geht uns dann auch tatsächlich ein Licht auf: Die Rezensionskopien hat man nicht deshalb erst zum Release-Tag verschickt, weil man etwas zu verbergen hätte (Okay, der Verdacht lag nah – und es wäre sicherlich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert), sondern weil die Multiplayer-Komponente tatsächlich recht wichtig ist.

Nicht unbedingt, weil man zwingend gegen menschlichen Mitspieler bei den Disziplinen antreten müsste, uns hat es aber sehr gut gefallen, dass man selbst Herausforderungen erstellen und mit anderen Spielern teilen kann. Das erhöht den Umfang von „Steep“ natürlich ungemein, zumindest in der Theorie sollte es damit nicht mehr langweilig werden. Im Rudel mit anderen zu fahren oder zu fliegen macht aber auch unabhängig davon mehr Spaß als alleine vor sich hin zu rodeln und rödeln.

Modenschau

Nun könnte man glauben, so ein Funsport-Titel wie „Steep“ wäre insgesamt eine auf ziemlich cool getrimmte Nummer – und in Teilen stimmt das auch: Ein umfangreicher Lizenz-Soundtrack bietet jede Menge bekannter wie auch weniger bekannte Musiker, die wenngleich die letztere Rubrik dabei überwiegen dürfte. Außerdem: Man kann mit den in den Herausforderungen verdienten Münzen Klamotten und ähnliche kosmetische Veränderungen wie Lackierungen und Designs freischalten. Für unseren Geschmack sinnvoller wäre es allerdings gewesen, wenn man die Möglichkeit geboten hätte, die eigenen Stats oder die Ausrüstung zu verbessern.

Ansonsten hält man sich mit dem Coolness-Faktor vornehm zurück – und hier sind wir nicht ganz sicher, ob das ein Fluch oder ein Segen ist. Übertriebene Supertricks fehlen, selbst das obligatorische „Grinden“ auf Rails, Bäumen und was sonst noch so rumliegt, wurde ersatzlos gestrichen. Hier ist „Steep“ mehr Simulation als Action, ganz im Gegensatz zu so ziemlich jedem anderen Funsport-Titel, der in den letzten zehn, fünfzehn Jahren erschienen ist. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass man sich ein wenig an Steuerung und Handling gewöhnen muss – und zwar für gleich vier Sportarten gleichzeitig. Das fordert dem Spieler so Einiges ab, auch wenn man an anderen Stellen den Eindruck erhält, man wolle die Spieler mit der Entschleunigung eher beruhigen als auf Trab bringen.

 

Ja wat nu?

Irgendwie hat uns „Steep“ ein wenig zwiegespalten zurückgelassen: Auf der einen Seite steht die Simulation einer Alpen-Spielwelt, die in der Form nun wirklich ihresgleichen sucht. Es gibt unheimlich viel in dem riesigen Areal zu entdecken, jede Reise durch die Schneelandschaft – besonders im Flug – deckt mindestens ein oder zwei interessante Stellen auf, die man sich unbedingt näher anschauen möchte. Das haben die Mannen von Ubisoft Annecy wirklich ganz hervorragend hinbekommen. Auf der anderen Seite verlässt man sich doch ein wenig zu sehr darauf, dass die Welt von Mitspielern bevölkert wird – ohne diese wäre das komplette Spiel menschenleer.

Insofern war dieser Hang zum Online-Erlebnis, den Ubisoft uns nun schon ein paar Jahre beinahe zwanghaft vorsetzt, auch dieses Mal wieder eine Entscheidung, die wir nicht immer nachvollziehen können. Sicher, es hat Charrme und Vorteile, mit anderen zusammenzuspielen, letztendlich ist es aber kein wirkliches Killer-Feature, das eine dauerhafte Serververbindung voraussetzt. Immerhin: Xbox Live Gold beziehungsweise Playstation Plus sind nicht zwingend notwendig, ohne diese Premiumdienste gibt es aber im Prinzip nur Ranglisten als soziales Element.

Funsport mal anders

Eigentlich ist es ganz einfach, „Steep“ zu empfehlen – vorausgesetzt, Ihr habt mit auf cool getrimmten Funsport-Games, die einen drölfhundert Meter vom Boden aus in die Höhe springen lassen, wo ein neunfacher Salto mit siebenfacher Schraube vollzogen wird, während der Sportler links und rechts ein heißes Schneehäschen im Arm hält, nichts am Hut. Ein bisschen mehr Simulation, etwas weniger Hektik – da kann „Steep“ dann durchaus punkten, obwohl es ja nun beileibe nicht ohne Mängel ist.

Dann könnt Ihr mit Sicherheit 12 bis 15 Stunden mit den vorgegebenen Herausforderungen zubringen – und das ist sogar überwiegend recht unterhaltsam. Darüber hinaus gibt es dann noch von Mitspielern erstellte Challenges, falls Ihr immer noch nicht genug haben solltet. Vielleicht mag „Steep“ nicht der ideale Titel für alle sein – aber das Spiel traut sich auch ein paar Vorstöße in spielerisch wenig ausgetretenes Terrain.

 

Bewertungen

Grafik - 8.1
Sound - 8.6
Gameplay - 7.2
Umfang - 8.2
Multiplayer/Onlinemodus - 8

8

Gesamt

„Steep“ ist sicherlich kein Spiel für Jedermann - aber es versucht, mit einigen festgefahrenen Konzepten aus dem Genre zu brechen. Teilweise funktioniert es gut, teilweise nicht so sehr, letztendlich hat Ubisoft Annecy aber einen Titel geschaffen, der eine Daseinsberechtigung hat. Es ist fast ein wenig, als seien die albernen Funsport-Games ein wenig reifer und erwachsener geworden, und das steht dem Genre gar nicht schlecht. Falls Ihr Euch also für so etwas interessieren solltet, seid Ihr hier nicht an der falschen Adresse.

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